Outing im Vorstellungsgespräch

Zu meiner Freude bin ich zum Vorstellungsgespräch für eine Werkstudierendenstelle eingeladen worden. Der Arbeitgeber wirbt mit Chancengleichheit unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität, Religion, Hautfarbe oder sexueller Orientierung. Ich habe mir vorgenommen, mich gleich im Vorstellungsgespräch zu outen. Wenn ich so kurz vorm Testostart einen neuen Nebenjob anfange, kann ich es allen Beteiligten leichter machen, indem ich von Anfang an mit offenen Karten spiele.

Chancengleichheit

Besonders aufgefallen ist mir bei dieser Bewerbung, dass in der Sparte ‚was wir bieten‘ des Karriereportals als allererstes Chancengleichheit bzw. Diversity genannt wird, vor Unternehmenskultur und Work Life Balance. Einer von zwei Schwerpunkten des Diversity-Managements ist Gender.

Dieser Arbeitgeber ist ein großer Konzern der Automobilbranche und in großen, modernen Unternehmen in Deutschland gehört die Diversity-Etikette zum guten Ton. Dass diese aber so explizit benannt wird und einen Fokus auf Gender (statt bspw. Frauen-Anteil) hat, finde ich super. Zumindest in der Bewerbungsmaske, in der man seine Daten eingibt, spiegelt sich das auch wider. Man kann nicht nur die Geschlechtsangabe weglassen, sondern auch unabhängig von anderen Angaben frei die Anrede ‚Frau/Herr/nichts‘ wählen.

Bewerbung als trans*?

Ich muss zugeben, dass ich die Maske als komplett weiblich ausgefüllt habe. Die Sorge, nicht berücksichtigt zu werden, war zu groß. Die Namen der Zeugnisse oder das Bewerbungsbild hätten natürlich nicht gepasst, wenn ich mich als Julius und männlich beworben hätte. So viel Gender-Freundlichkeit habe ich diesem Arbeitgeber dann also doch nicht zugetraut. Natürlich hätte ich schon im Anschreiben auf trans* hinweisen können, aber das lässt sich erstens persönlich besser erklären und zweitens machen meine Qualifikation als Bewerber und Persönlichkeit auch noch andere Eigenschaften als trans* aus. Ich bin sehr gespannt auf das Gespräch in ein paar Tagen und hoffe natürlich, dass ich den Job bekomme. Oder anders ausgedrückt, dass sie mich weder wegen trans*, noch wegen anderen Dingen oder besseren Kandidat*innen ablehnen.

 

 

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