Rollenbildbashing

Anderen Erfahrungsberichten folgend ist es für viele Trans*Männer irritierend, einhergend mit gutem Passing plötzlich auch mit anderen Rollenbildern konfrontiert zu werden. Dass Rollenbilder Müll sind, muss ich nicht weiter erklären, aber sie sind halt da und ich kann mich ihnen nicht entziehen.

Ich verlasse die altbekannte weibliche Komfortzone, mit der ich mich so gut es eben geht arrangiert habe. Das Betreten dieser ‚Männerwelt‘ wird glaube ich ganz schön komisch; ich habe nicht nur wenig Ahnung, wie sich Cis-Männer untereinander behandeln und verhalten, sondern auch ein bisschen Sorge vor Zuschreibungen, die mir nicht passen.  Ich denke selbst riesigen Schubladen und arbeite weiter an ihrem Abbau.

Um es verständlicher zu machen, und vor ab SORRY für das Rollenbildbashing, aber ich habe keine Lust, zum Beispiel als emotional abgestumpft wahrgenommen zu werden. Nicht dass Cis-Männer das wären, aber es gibt dieses Rollenbild und viele Cis-Männer haben nach außen einen völlig anderen Umgang mit Gefühlen als viele Cis-Frauen. Da ist mir zum Beispiel die weibliche Variante wesentlich lieber. Es gibt eben auch weiblich konnotierte Attitüden, die ich nicht komplett ablegen möchte (… und auch nicht muss). Trotzdem möchte ich nicht als ‚immer noch weiblich‘ wahrgenommen werden.

Übrigens gibt es auch eine Menge Trans*Männer, die unabhängig von ihrer eigentlichen Orientierung für schwule Cis-Männer gehalten werden. Das ist ein noch tieferer Griff in die Klischeekiste und ich könnte jetzt ein Fass zu bescheuerten Homo-Rollenbildern in unserer Gesellschaft aufmachen. Trotzdem habe ich Sorge davor, als totales Weichei zu gelten und nicht ernst genommen zu werden. In meiner Vorstellung wird sich die Art, wie ich wahrgenommen werde, um 180° von einer überdurchschnittlich toughen Frau zu einem totalen Softie drehen. Vermutlich liegt irgendwo in der Mitte die Wahrheit und ich muss mich überraschen lassen.

Ich bin ein großer Fan vom Auflösen der Rollenbilder und von laissez-faire Einstellungen bzgl. Gender. Nichtsdestotrotz kann ich mich selbst nicht komplett von Rollenzuschreibungen lösen und emanzipieren. Auf gewisse Art brauche ich die Unterschiede, um beschreiben zu können, was in der eigenen Identität und Körperlichkeit nicht passt. Das ist eine Grund-Problematik im Umgang mit Trans* und allen Geschlechtsidentitäten dazwischen, die mich wirklich nervt.

Die Plattitüden zum Schluss: Ich will kein Obermacho werden, aber eben auch kein hypersensibler Softie. Und auch jetzt bin ich weder schmieriger Sexist noch superempfindlich. Am Ende wird die Aufgabe darin bestehen, darauf klarzukommen, dass man eben ist wie man ist und dass es so in Ordnung ist. Das ist ja eigentlich auch das Schöne an Trans*, dass man eben mit vielen verqueren Rollenbildern bricht. Wenn ich mir das selbst durchlese, ist es bekloppt, mich mit Cis-Menschen zu vergleichen. Voilà, hier haben wir eine 1A-Begleiterscheinung von Trans*, dass es wahnsinnig schwer ist, drüber zu stehen.

4 Kommentare zu „Rollenbildbashing“

    1. Da versuche ich auf dem Teppich zu bleiben. Das gezielte Ausarbeiten von Körpersprache ist für mich auch eine Gradwanderung zwischen Anpassen (Entwickeln) und Verstellen, und irgendwo daneben dann die Körpersprache, die ich als normal empfinde. Nichtsdestotrotz hilft es sicherlich in manchen Situationen nach rechts und links zu schauen, wie andere Männer sich geben.

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