Gelungenes Outing im Vorstellungsgespräch

Wie angekündigt, habe ich mich im Vorstellungsgespräch für die Werkstudierendenstelle geoutet. Grundsätzlich lief’s gut, die beiden Gesprächspartnerinnen waren nett und gut drauf.

Den Job habe ich leider nicht bekommen, aber zumindest lief’s für mein Verständnis gut. Das heißt der Absagenfrust hält sich echt in Grenzen, weil ich für mein Empfinden gut abgeliefert habe – jemand anderes hat wohl besser gepasst. Dass sie mich wegen trans* nicht genommen haben, glaube ich nicht, denn das Outing lief super:

Am Ende der Unterhaltung habe ich die Trans*kiste angesprochen, kurz und knapp in etwa so: „Ich habe mich auch bewusst hier beworben, weil dieses Unternehmen sich als Arbeitgeber Gender zum Diversity-Schwerpunkt gesetzt hat. Und diesen Schwerpunkt möchte ich quasi austesten, denn ich bin trans*, das heißt ich bin ein bzw. werde zum Mann. Ich habe mich als Frau beworben, weil meine Papiere noch nicht geändert sind. Und weil ich demnächst mit der Hormonbehandlung anfangen werde, die eine männliche Pubertät auslöst, denke ich, dass es ist für alle Beteiligten leichter ist, wenn wir gleich mit offenen Karten spielen. Sich neu in ein Team einzugliedern und nach vier Wochen um andere Pronomen/Namen zu bitten ist umständlich, zumal ich privat eh schon als Julius unterwegs bin. Ich hoffe, dass es für Sie kein Hindernis bedeutet, mich einzustellen, weil es für mich auch keins ist.“

Ganz so monologmäßig habe ich das natürlich nicht heruntergerattert, damit kann man die Leute ja auch erschlagen. Aber den ersten Mimiken folgend wusste ich, dass ich weiterreden kann. Und ja, ich beginne manchmal gefühlt jeden Satz mit „und“ oder „ich“. Wie gut, dass ich nichts mit Sprache studiere haha.

Die Reaktionen der beiden waren super. Die Ältere hat sofort gesagt, dass es eigentlich ein Unding sei, dass ich sowas überhaupt mitteilen müsse, weil es egal sei und auch niemanden etwas angehe. Die Jüngere zeigte sich beeindruckt von der Offenheit und wir konnten alle drei loskichern, dass wir uns mit dieser Offenheit eine Menge Missverständnisse sparen könnten. Das Ganze machte auf mich auch einen authentisch-aufrichtig-ehrlichen Eindruck statt professionellem Gelaber. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen ist unter den externen Kollegen der Abteilung auch eine Trans*Frau, mit der alle einen „guten und total normalen“ Umgang pflegen würden.

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