Neuer Name

Der neue Vorname und männliche Pronomen sind neben den physischen Geschichten die offensichtlichste Veränderung rund um Trans*. Neue Papiere sind irgendwie auch ein Aushängeschild und symbolisieren das Ankommen in „der neuen Rolle“. Das Thema neuer Name fand und finde ich irgendwie komisch, weil sich fast niemand den Namen selbst aussucht.

Auswahlkriterien

Bevor ich mir selbst Gedanken über den Namen gemacht habe, habe ich Erfahrungsberichte von anderen gelesen und auf YouTube angeschaut, weil ich es so irritierend fand, von heute auf morgen „ein neuer Mensch“ mit neuem Namen zu sein. Daraus habe ich mir ein paar Kriterien abgeleitet. Zum damaligen Zeitpunkt, etwa vier bis fünf Monate nach Ausbruch der ganzen Identitätskrise war klar, dass ich wenn ich diesen Trans*Weg wirklich einschlage, wohl auch einen Namen brauche. Julia ist echt kein unisex-Name.

Ich habe folgende Überlegung angestellt:

Ich fände es schön, zumindest beim Anfangsbuchstaben J zu bleiben. Damit sind schon eine ganze Menge Namen ausgeschlossen. Außerdem sollte es nicht zu ausgefallen und einigermaßen kompatibel mit englisch und romanischen Sprachen sein. Letztlich war mir auch wichtig, dass die Assoziationen mit dem Namen „durchschnittlich“ sind und (k)ein gewisses Bildungsmilieu implizieren (können). Also wollte ich kein Extremum. Um es zu verdeutlichen, weder Kevin noch Gottfried, halt irgendetwas unauffälliges dazwischen. Falls ein Kevin oder Gottfried mitliest: SORRY. Zu euch passt euer Name bestimmt.

Wenn irgendwie möglich wollte ich vermeiden, einen Namen auszuwählen, der in meinem Umfeld schon vergeben ist. Ich hätte es total schräg gefunden, mich zum Beispiel Lukas zu nennen und dann allen Lukassen, die ich soweit kenne als dass sie von meinem Trans*Geschehen wissen, zu erklären, dass ich ihren Namen ausgewählt habe.

Manche Kriterien, die andere Trans*Menschen benutzen, haben mich nicht so sehr interessiert. So zum Beispiel dass der Name eine bestimmte Bedeutung haben sollte. Nicht so ganz sicher war ich mir bei der Frage, wie wichtig es mir ist, dass man ihn auf den alten Namen zurückführen kann – was für andere ein totales no-go sein kann.

Nebenbei eine kleine Leseempfehlung: Ich bin ich über eine herrliche Zusammenfassung vom Genderwasteland gestolpert, welche Erscheinungen an Trans*Modenamen es so gibt.

Ideen

Aus diesem Anforderungskatalog haben sich ein paar Namen herauskristallisiert:

  • Jakob: cool
  • Julius: cool, aber nah dran am alten Namen. Dieser Name konnte auch nicht nicht in dieser Liste stehen, weil Julius immer mal wieder ein Spitzname in der Familie war.
  • Jonte: voll cool! Aber ganz schön ausgefallen
  • Jorge: auch voll cool, und nur ein bisschen ausgefallen

Entscheidung für Julius

Am Ende bin ich irgendwo zwischen Jakob und Julius hängengeblieben, ohne mich entscheiden zu können. Witzigerweise hat sich dieser Zwiespalt geklärt, als ich meine Familie eingeweiht habe. Ich habe mich am selben Tag erst bei meiner Schwester und dann bei meinen Eltern geoutet, und beide Male kam als eine der ersten Reaktionen „Also Julius?!“. Damit war die Frage irgendwie geklärt, und ich bin auch froh, mir meinen Namen nicht ganz alleine ausgesucht zu haben. Dass sie darauf gekommen sind, ohne dass ich etwas erwähnt habe, hat mir Sicherheit gegeben.

 

3 Kommentare zu „Neuer Name“

  1. Hallo, ich nochmal 😀
    Bei mir war es so das ich den Namen vor dem Outing…oder generell allem was mit trans zu tun hat, hatte.
    Sal, das Salz.
    Ich bin darüber gestolpert, als ich ein Buch über Pflanzenalchemie gelesen habe und es gerade um die drei philosophischen Elemente ging. Namentlich: Sal, Sulfur und Mercurius.
    Mercurius für die Seele (Alkohol, Wasser). Sulfur für den Geist (Öl, Feuer/Luft). Sal für den Körper (Salz, Erde).
    Ich weiß nicht mehr was mich geritten hat, aber irgendwie hat es mich in dem Moment geflasht, ich fand die Idee Sal zu heißen irgendwie sehr berauschend. Auch wenn ich da noch nicht wusste wieso, dass mit trans und so hab ich erst später gepeilt, wobei es aus heutiger Sicht dutzende Anzeichen gab.
    Ich hoffe das ich diesen Namen auch irgendwann oder bald offiziell verwenden und tragen kann. Tja ja typisch deutsch, was handfestes ist eben schon noch was anderes, vor allem wenn man dann mal auf nem öffentlichen Klo ist und das Passing nicht so „supi dupi“ ist.
    Jetzt heißt es nicht mehr „Achtung, ich hab den schwarzen Gurt in Karate!“, sondern „Achtung, ich habe einen Ausweiß und weiß damit umzugehen!“ 😉
    Vielen Dank für deine tollen, Kraft spendenden Texte, Julius und ich hoffe mein Palaver ist nicht ganz so blöde wie es mir gerade vorkommt xD

    Liebe Grüße, Sal

    Gefällt 1 Person

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