Ode an die Großeltern

Den allerersten Brief adressiert an „Herrn Julius Xyz“ habe ich von meinem Großvater bekommen. Und meine Großmutter kommentiert fleißig das Bloggeschehen.

Grundsätzlich bin ich mehr als happy über die breite Unterstützung aus der Familie. Dass meine über 80-jährigen Großeltern dabei so mitziehen, freut mich ganz besonders, weil die beiden auch ein bisschen den Hut aufhaben: Unsere Sippe ist groß und dicke miteinander, aber dass aus dieser Ecke so viel Rückenwind kommt, hat mich dann doch positiv überrascht. Meine Großeltern sind ziemlich christlich-konservativ unterwegs, was mich bisher nicht davon abgehalten hat, ein gutes Verhältnis mit ihnen zu haben.

Als ich mich vor vier Monaten bei ihnen geoutet habe, habe ich mit keinen guten Reaktionen gerechnet. Ich habe versucht, das ganze Trans*Ding enkelgerecht zu verpacken. Die erste, spontane Antwort meines Großvaters hat mich dafür umso mehr aufatmen lassen.

„Ich spreche wohl für beide, wenn ich sage, dass wir es uns nicht anmaßen darüber zu urteilen. Wir merken immer mehr, dass wir eine andere Generation sind, die mit ganz anderen Themen konfrontiert war, und dass manche Dinge schlicht nicht in unseren Horizont passen.“

Dazu kamen dann von beiden Statements à la nur die Liebe zählt, und die werde ich als Enkelkind nicht los, selbst als Trans*Mensch nicht. Man verzeihe mir, diese Liebeserklärung so salopp wiederzugeben – anders kann ich so viel Liebe gar nicht händeln!

Ich bin froh, wie meine Großeltern mit der ganzen Sache umgehen. Meine Erwartung war eine Mischung aus Ablehnung, Unverständnis und Sorge. Dass statt Ablehnung und Unverständnis aber sofort ein Bewusstsein für die massiven Unterschiede zwischen den Generationen sowie reflektierter Zuspruch im Rahmen des Möglichen (gar nicht erst zu urteilen, sondern bedingungslose Unterstützung zu zeigen) kam, hat mich nicht nur erleichtert, sondern begeistert. Außerdem bin ich dankbar für jede ehrliche und nicht verstellte Reaktion.

Was wohl geblieben ist, ist die Sorge. Die halte ich für völlig normal und gesund. Jeder Mensch sorgt sich, wenn jemand aus dem engen Umfeld solche radikalen, krisenhaften Veränderungen durchmacht. Bisher habe ich aus der Familie nur positive, bejahende und unterstützende Reaktionen erfahren. Da die Großeltern so ein bisschen den Laden schmeißen was das Familiengeschehen angeht, fühlt sich hoffentlich auch der Rest vom Fest durch die Blume von dieser Ode angesprochen: Danke, danke, danke.

2 Kommentare zu „Ode an die Großeltern“

  1. Ganz großer Dank für die Ode…ist für mich oder uns auch die Ode an die Freude, daß wir Dich haben und dafür, daß Du uns mit den regelmäßigen Beiträgen so teilhaben läßt. Wir sorgen uns dennoch……..der Weg bleibt ja steinig genug. Fast gleichzeitig kam die Reaktion von Hazi: er bewundert die Reaktion der Großfamilie und freut sich, daß Du „seinen“ als 2. Namen gewählt hast – er sagte wörtlich“ ich fühle mich geehrt“ und wünscht Dir von Herzen alles Gute. Es bleibt wohl so, daß vor allem unsere Generation große Schwierigkeiten hat mit dem Transmann. Ich liebe Dich wie Du bist und wünsche Dir immer wieder Verständnis bei allen, die Deinen Weg kreuzen -Deine Großmutter

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