Fliegen und Trans*

Auf dem Flughafen piepe ich fast immer im Security Check, so auch heute. Nun kann ich die Liste der anstrengenden Alltagssituationen erweitern: Wie geht eigentlich gendergerechtes Abtasten? 

Das Schöne vorab: Ich habe gutes Flughafen-Passing! Umso besser, denn bei der aktuellen Hitze kann ich nicht mehr als Shorts und T-Shirts anziehen und mein Passing-Selbstbewusstsein geht gegen null. Ich wirke wohl wie ein sexy Teenie, denn ich wurde von zwei ungefähr 14-Jährigen angeschmachtet (wie schräg ist das denn?!!).

Nachdem der Scanner an der Security-Schranke gepiept hat, durfte ich zum Abtasten, weil etwas bunt und grell in meinem Oberkörper aufgeleuchtet hat. Das war wohl der Binder.

Ich wurde von einem Cis-Mann abgetastet, und kann mich gar nicht entscheiden, ob das gut (gutes Passing) oder schlecht (fremdes Getatsche in weniger geliebten Körperregionen) war. Wenn sich Menschen unvermittelt mit ausgestreckten Händen auf meinen Bereich zwischen Bauchnabel und Hals zubewegen, finde ich das schon komisch. Mehr als komisch ist das allerdings, wenn ein Cis-Mann mich als vermeintlichen Cis-Mann abtasten will.

Irgendwie haben Männer* und Frauen* untereinander ja einen anderen Körperumgang. Ich versuche mal zwecks Verständlichkeit ein anderes Beispiel mit möglichst wenig Rollenbild-Bashing zu geben. Man stelle sich vor, Fußballerinnen* bejubeln ein Tor, die eine legt der anderen den rechten Arm um die Schulter und klopft ihr mit der linken Hand auf die Brust. Das wäre schon komisch. Fußballer* hingegen trommeln sich durchaus mal mit der flachen Hand gegenseitig auf die Brust. Einerseits gibt’s beim Großteil der Menschheit (ergo es gibt Ausnahmen, die sich berücksichtigt wissen wollen) offensichtliche körperliche Unterschiede, andererseits ist es auch total heteronormativer Quatsch, dass Frauen* Frauen* abtasten und Männer* Männer.

Und das ist auch meine Zwickmühle: Natürlich möchte ich als Mann behandelt werden und natürlich möchte ich nicht am Oberkörper abgetastet werden. Alles ich-werde-eh-nicht-gerne-angetatscht beiseite: 1. Es ist mir von Haus aus als Mensch mit Brüsten unangenehm, in dieser Region abgetastet zu werden 2. Es ist mir von Haus aus als Trans*Mann unangenehm, in dieser Region abgetastet zu werden 3. So richtig unangenehm wird’s aber, wenn ich als Typ wahrgenommen werde und deshalb von einem Cis-Mann abgetastet werde, der im Gegensatz zu Cis-Frauen vielleicht etwas weniger mit kuriosen BH-artigen Konstruktionen vertraut ist. 4. Zum Kotzen ist es, wenn meinem Gegenüber kurz die Gesichtszüge entgleiten, weil er plötzlich Brüste in der Hand hat.

Die Antwort, was gendergerechtes Abtasten angeht, kann ich leider auch nicht so ganz geben. Ich würde die Option befürworten, dass man beim Sicherheitspersonal um gendersensibilisiertes Abtasten bitten kann. Es dürfte eigentlich kein unmöglicher Aufwand sein, die Angestellten dafür fortzubilden.

2 Kommentare zu „Fliegen und Trans*“

  1. Interessantes kleines Erlebnis. Ich wüsste auch nicht, wie das auf Anhieb korrekt verlaufen könnte, ohne das man vorher etwas sagt. Daher hätte ich in deinem Fall vorher darauf aufmerksam gemacht und den Herrn vorgewarnt, evtl auch eine Frau zum Abtasten erbeten.
    Grad vor der Mastek würde ich eine Frau vorziehen, egal wie deutlich ich aktuell als Mann erkennbar rumlaufe. Die Brust ist immerhin noch da. Allerdings sind das Tatsachen, an die wir zudenken haben und nicht das Sicherheitspersonal und die dementsprechend WIR vorher erwähnen müssen. Grad bei einem so glänzenden Passing 🙂

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