1. Kontrolle in der Endokrinologie und Umstieg von TestoGel auf Nebido

Nach 103 Tagen Hormonbehandlung war heute der erste endokrinologische Check. Ich bin nicht nur mit dem neuen Arzt zufrieden, sondern konnte auch das Präparat wechseln. 

Wechsel der Behandler*in

Nachdem die bisherige Ärztin zu wünschen übrig ließ, konnte ich den heutigen Kontrolltermin bei einem anderen Arzt in derselben Praxis wahrnehmen. Zu meiner großen Erleichterung hat dieser sowohl alle Fragen ausreichend beantwortet, als auch einige Zweifel, die seine Kollegin hinterlassen hatte, ausgeräumt.

So ist z.B. der Östrogenblocker Tamoxifen tatsächlich nur präventiv zur Unterdrückung der Menstruation (sprich überflüssig bei gesunden Ausgangswerten). Gemessen an der Nebenwirkungsbombe, die mit Tamoxifen platzen kann, bin ich immer noch entsetzt über die einseitige Behandlungsempfehlung dieser Ärztin. Auch ihre Ausführungen über Gewicht und Abnehmprobleme  bedingt durch die leichte Insulinresistenz waren übertrieben: Die medikamentöse Behandlung würde das Abnehmen leichter machen – aber angesichts dessen, dass mein Gewicht seit Jahresbeginn um ein paar Kilo geschmolzen ist, sagte der Arzt heute, dass ich auch dieses Medikament guten Gewissens weglassen kann.

Kontrolltermin

Zur Kontrolle gehört einerseits ein Gespräch: Der Arzt hat einige Fragen zu den bisherigen (Neben-)Wirkungen gestellt, und meine Schilderungen als unauffällig-normal eingeordnet.

Andererseits werden Hormonwerte im Blut überprüft. Also wurde mir Blut abgezapft, dessen Ergebnisse in drei bis vier Wochen vorliegen werden. Zusätzlich wird mit dem Blut auch eine Chromosomenanalyse durchgeführt, um auszuschließen, dass ich intersexuell bin. In Anbetracht meiner Vergangenheit als kerngesunde Bio-Frau rechnet niemand mit einem anderen Ergebnis als einem XX-Chromosomensatz. Die Auswertung ist allerdings bei den meisten Gutachten für OPs und VÄ/PÄ gefordert.

Wechsel zum Spritzen

Wie mir bereits einige Trans*Menschen vom örtlichen Stammtisch berichteten, hat dieser Arzt offenere Ohren für die Behandlungswünsche seiner Patient*innen. Also konnte ich problemlos ansprechen, dass ich langfristig gerne zu Spritzen wechseln möchte, weil mich sowohl das stundenlange nicht duschen dürfen (besonders blöd bei Sport, Sommer, etc.) und das tägliche Eincremen nerven. Daraufhin eröffnete er mir, dass ich dies auch sofort tun könne. Mir war nicht ganz klar, dass es auch ohne ein aktuelles Blutbild möglich ist. Aber gemessen an den Ausgangswerten zum Testostart und meinem unauffällig-normalen Wirkungsempfinden ist der Wechsel auch ohne tagesaktuelle Hormonwerte in Ordnung. Schaut man sich die Auswertungszeit im Labor an, so sind die aktuellsten Werte in der Praxis eh immer mindestens vier Wochen alt. Leicht erstaunt konnte ich mit neuem Rezept fix in die Apotheke und eine medizinische Fachangestellte (da hat sich eine neue Vokabel im googlen von Arzthelfer*in-in-politisch-korrekt aufgetan) hat mir die Spritze verabreicht.

Hormonbehandlung mit der Depotspritze Nebido

Nebido ist eine Depotspritze mit 1000mg Testosteronundecanoat in einer öligen, dickflüssigen 4ml Lösung. Das heißt, dass diese schwer zu spritzende Lösung (weil dickflüssig und viel) als Depot in den Muskeln lagert, das über einen gewissen Zeitraum, sprich das Intervall zur nächsten Spritze, abgebaut wird. Üblicherweise ist dieses Intervall 10 bis 14 Wochen lang, sodass die langfristige Perspektive der Hormonbehandlung bedeutet, sich vier mal im Jahr eine Spritze setzen zu lassen – und das war’s.

Zu Beginn wird Nebido üblicherweise in sechswöchigen Intervallen verabreicht, um das Depot schnell aufzubauen. So auch bei mir. Das Vertrackte nach der Eingewöhnungsphase mit sechswöchigem Takt ist, das individuell passende Intervall zu finden. Und es einzuhalten, wenn es dann gefunden wurde.

Rechnet man das Testo in mg herunter, hat sich meine Dosis von 5mg pro Tag auf 1000mg pro sechs Wochen also verfünffacht. Aber gemessen daran, dass das Depot zunächst aufgebaut wird und sich die Applikation via Gel/Spritze eben nicht so simpel vergleichen lässt, relativiert sich diese krasse Hochdosierung wieder. Die genaue Erklärung dafür überlassen wir jetzt mal den Endokrinolog*innen. Fakt ist jedenfalls, dass Viele, die von TestoGel zu Nebido wechseln, von einem „Wirkungsschub“ des Testosterons berichten.

Ausblick

Trans*Männer auf Nebido neigen eher zu schlechter Haut und Akne. Ich hoffe, das bleibt mir erspart. Um die Crux des Intervallfindens komme ich wohl nicht herum – man erkennt das zu kurze/lange Intervall bzw. die Über-/Unterdosierung übrigens an den alten Bekannten; aufgekratzte Reizbarkeit und/oder depressive Verstimmungen.

Der große Vorteil von Nebido für mich ist einerseits der zu erwartende Männlichkeits-Katalysator. Nicht, dass in den letzten drei Monaten nichts passiert wäre, aber ich freue mich auf weitere Veränderungen. Andererseits bin ich froh, nicht mehr jeden Tag Gelen zu müssen. Dazu kommt außerdem noch die Überlegung, dass Präparatwechsel meist auch Stimmungsschwankungen mit sich bringen. Das kommt mir in der aktuellen Phase, in der ich sowieso mit diesen Themen sehr beschäftigt bin, weniger ungelegen, als in einem Jahr oder so. Vor allem bleibe ich gespannt und freue mich auf die Entwicklungen der nächsten Wochen und Monate.

 

 

 

 

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