Anhörung zur Namensänderung

Der Stein rollt: Vorgestern war ich beim Amtsgericht Nürnberg, um die VÄ/PÄ zu beginnen.

Ziemlich genau einen Monat nach der Antragsstellung hatte ich nun meinen Termin zur Anhörung beim Richter. Wer sich für den allgemeinen Ablauf der Namensänderung interessiert, kann hier nochmal nachlesen.

Erwartungen

Vorab habe ich mich mit einigen Trans*Menschen unseres lokalen Stammtisches unterhalten, die ihre VÄ/PÄ schon durchgeführt haben. So wusste ich bereits, dass der Richter einen guten Ruf (sprich freundlich und trans*erfahren) genießt und welche Gutachter*innen der Region üblicherweise beauftragt werden. Außerdem bekam ich hier auch den Tipp, nur eine*n Wunsch-Gutachter*in zu beantragen, da eh nur ein Vorschlag akzeptiert würde. Hier die gewonnenen Erkenntnisse und beantworteten Fragen:

Neue Erkenntnisse zum Ablauf

  • Die*der Richter*in legt den Verfahrenswert mit einer Summe X fest. Selbstzahler*innen müssen den Verfahrenswert als Vorauszahlung begleichen, erst dann geht der Auftrag an die Gutachter*innen. Eine Ratenzahlung ist grundsätzlich möglich, jedoch bedeutet dies auch eine entsprechend monatelange Verzögerung der VÄ/PÄ.
  • Die Gutachten gehen nach der Erstellung an die Generalstaatsanwaltschaft und an mich. Beide Seiten können theoretisch eine Stellungnahme dazu verfassen, was in der Praxis jedoch quasi nicht vorkommt. Das liegt daran, dass es quasi nur positive Gutachten gibt und i.d.R. weder Antragstellende noch Generalstaatsanwaltschaft Ergänzungen oder Anmerkungen haben.
  • Die Widerspruchsfrist zwischen vorläufigem und rechtskräftigem Beschluss beträgt vier Wochen.
  • Gutachten können nicht nur von Psychiater*innen, sondern auch von Psycholog*innen erstellt werden. Eigentlich logisch, war mir nur nicht klar.

Auftrag zur Begutachtung

Der Gutachter, den ich vorgeschlagen habe, ist der Psychiater, der mir bereits die Indikation zur Hormonbehandlung ausgestellt hat. Das habe ich auf Nachfrage auch so erklärt, denn meine Intention ist natürlich Zeit und Kosten zu sparen: Der Psychiater kennt mich und muss entsprechend weniger Sitzungen mit mir veranschlagen, was Zeit und Fahrerei spart. Der Richter hat einige Bedenken geäußert, ob der Gutachter befangen sei, aber ich konnte ihn überzeugen, dass die eigentliche therapeutische Arbeit mit meiner Psychologin stattfindet – was ja auch stimmt. Schlussendlich ist mein Gutachter-Wunsch berücksichtigt worden, worüber ich ziemlich froh bin.

Als zweiter Gutachter ist mir ein lokaler Psychologe zugeteilt worden, von dem ich bereits einiges gehört habe. So soll er zwar einerseits relativ zügig Termine vergeben und die Begutachtung auch in einer einzigen, langen Sitzung abhandeln. Andererseits gehören wohl auch „Psycho-Tests“ am Computer und ein IQ-Test, an dessen Relevanz ich ernsthaft zweifle, zum Repertoire.

Insgesamt bin ich aber ziemlich zufrieden. Es ist relativ absehbar, dass die Gutachten noch vor 2017 vorliegen, was mehr als gute Nachrichten sind. In den sauren Apfel der allgemein fraglichen (und oft konservativen) Begutachtungspraxis muss ich wohl oder übel beißen.

Kosten

Mein Verfahrenswert wurde auf 1.400€ festgesetzt. Damit bin ich an der absoluten Untergrenze meiner Befürchtungen gelandet. Also gibt’s auch an dieser Front sehr gute Neuigkeiten! Der tatsächliche Verfahrenswert wird erst nach Abschluss der VÄ/PÄ bekannt gegeben. Je nachdem, wie viele Stunden die beiden Gutachter sich anrechnen, gibt es am Ende der Rechnung eine Nach- oder Rückzahlung. Die eigentlichen Gerichtskosten liegen unter 100€.

Gespräch und Atmosphäre

Die Anhörung hat im Büro des Richters stattgefunden, also ohne schwarze Robe oder großes Trara. Wie erwartet war er sehr freundlich, gut gelaunt und trans*erfahren. Das Einzige, wobei ich innerlich kurz zusammengezuckt bin, war die Tatsache, dass er durchgehend von einer „Umwandlung“ bzgl. trans* und VÄ/PÄ sprach – aber naja. Genaugenommen haben wir gar nicht viel über trans* gesprochen; er sagte selbst, dass nach Durchsicht meines Antrags und trans*bezogenen Lebenslaufs eigentlich keine Fragen offen geblieben seien. Somit haben wir uns mehr darüber unterhalten, warum welche Gutachter*innen (nicht) beauftragt werden. Zum Beispiel erwähnte er, dass mehrere Interessengruppen ihn gebeten hätten, konsequent die günstigsten Gutachter*innen zu beauftragen. Er wolle aber lieber die besten als die günstigsten Gutacher*innen ins Rennen schicken. Das hat so auch seine Richtigkeit, wenn man nicht an der Begutachtungspraxis allgemein herumkritteln will. Gleichzeitig ließ er aber durch die Blume vernehmen, dass er sich des Brimbamboriums rund um die VÄ/PÄ bewusst sei.

Unterm Strich bin ich jedenfalls sehr zufrieden, da ich statt unerwarteter Fallstricke nur konstruktivem Wohlwollen des Richters im Rahmen seiner Möglichkeiten begegnet bin.

 

3 Kommentare zu „Anhörung zur Namensänderung“

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