Testo: Monat 9

Der Entschleunigungs-Trend hält an und doch gibt’s wieder Neues zu berichten: Keine Änderung des Präparats, dafür Bartwuchs und Brusthaar. 

Nebido und Haarausfall?

Mitte Februar habe ich mit meinem Endokrinologen über die aktuellen Hormonwerte und über einen möglichen Wechsel des Testosteron-Präparats gesprochen. Die Überlegung, von der Dreimonatsspritze Nebido wieder zurück zum TestoGel, auf eine andere Spritze mit kleinerem Intervall oder kleinerer Dosis zu wechseln, rührt von der Haarausfall-Thematik her: Zwischen dem sechsten und achten Monat auf Testo haben sich meine Haare massiv ausgedünnt. Dieser Schub ist mit der Hochdosierung von Nebido zusammengefallen, denn um das Depot aufzubauen wird zunächst nach sechs Wochen gespritzt und anschließend das individuell passende Intervall von 10 bis 14 Wochen gesucht. Dass Haarausfall zu den klassischen Nebenwirkungen zählt, ist mir natürlich bewusst – meine Frage war nun, ob sich der Haarausfall mit einem anderen Präparat verlangsamen oder mit einem zusätzlichen Präparat vorbeugen lässt.

Mein Endokrinologe hatte zwar offene Ohren für die Thematik, quittierte die Frage aber auch direkt mit einem „Das ist das Schicksal der Männer“. Die Option  zusätzlicher Präparate klang nicht vielversprechend: Einerseits arbeiten Cis-Männer und Trans*Frauen mit Testosteronblockern, was logischerweise in einem trans*männlichen Kontext wenig Sinn macht. Andererseits gibt es lokal auftragbare Mittel, die nicht unbedingt wirksam, nicht unbedingt verträglich und nicht unbedingt günstig sind.

Ein anderes Präparat, bspw. TestoGel, wirke zwar tatsächlich mit etwas weniger Intensität als Nebido, dabei sei aber nicht zu vernachlässigen, dass eine erneute Umstellung des Präparats auch eine erneute Belastung (in alle Himmelsrichtungen der altbekannten Nebenwirkungen) darstelle. TestoGel wäre für mich gemessen an der lästigen Anwendung im Alltag echt die Notlösung und mit anderen Spritzen hätte ich immer noch die Problematik der Umstellung. Außerdem dauert die Einstellung mit Nebido nicht ein oder zwei Intervalle, sondern tatsächlich fünf bis sechs Intervalle, sodass ich eh noch nicht fertig auf das Medikament eingestellt bin.

Die nächste Spritze ist für Ende März geplant und theoretisch wäre dieses nächste Intervallende der nächstmögliche Zeitpunkt zum Präparatswechsel – aber ich werde wohl erstmal bei Nebido bleiben, denn ich habe überhaupt keine Lust, den Hormonhaushalt nochmal durcheinander zu wirbeln. Falls ich über die Monate bemerke, dass die Haare weiter massiv ausfallen und ich überhaupt nicht damit zurecht komme, kann ich immer noch wechseln und so versuchen das Tempo zu drosseln. Aber einfacher ist’s alle mal, Haarausfall platt als „Schicksal“ anzunehmen und sich selbst den Gefallen zu tun, sich lieber früher als später damit anzufreunden.

Physisches

  • Haare

Das stolze Januar-Brusthaar hat Konkurrenz bekommen, mittlerweile sind es nämlich drei „sichtbare“ Haare und in der mittleren Brustpartie tauchen kleine, weiche Härchen auf. Der Bartwuchs läuft super, denn die Haare wachsen immer schneller und werden fester. Ich rasiere mich momentan etwa einmal die Woche und so bärtig wie ich jetzt nach einer Woche aussehe, sah ich um den Jahreswechsel herum nach vier Wochen aus. Damit erreiche ich auch langsam das Stadium, in dem ich unrasiert relativ ungepflegt aussehe. Das ist mir für den Großteil meines Alltags aber ziemlich egal, weil ich diesen Bartansatz ziemlich cool finde. Neulich habe ich eine Freundin zur Begrüßung umarmt, sie hat sich über mein piksiges Gesicht mokiert und wir haben beide losgejubelt. Ansonsten habe ich den Eindruck, dass der Haarausfall auf dem Kopf wieder etwas gebremst ist, nachdem es zwischen November und Januar sichtbar lichter geworden ist.

  • Haut

Die elenden Pickel haben ihren Ausflug ins Dekolleté abgebrochen und sind wieder an ihrem angestammten Platz in meinem Gesicht. Ich finde sie nach wie vor doof, aber solange ich nicht mit Akne gestraft bin und weiß, dass das Testosteron immer noch seinen Platz in meinem Körper sucht, darf meine Haut irritiert bleiben. Ab und zu gibt’s ein Peeling, das muss reichen.

  • Kurven und Kanten

Die Fettverteilung schreitet gemächlich voran, ich habe nach wie vor den Eindruck, dass alles kantiger wird. Vor vier Monaten habe ich mir das letzte Mal eine neue Hose gekauft und auch die ist schon wieder zu groß geworden. Ansonsten treten an Händen und Füßen merklich die Venen hervor – auch diese Veränderung hätte ich im Vorhinein nicht wirklich für möglich gehalten. Allgemein verschwindet die Dysphoria rund um die „viel zu kleinen“ Hände, denn mit mehr Muskeln, mehr Knorpeln, einzwei Haaren und nun auch Venen sehen sie einfach wirklich nicht mehr weiblich aus.

Psychisches

  • Stimmung

Es geht mir nach wie vor gut, das Testosteron wirkt und wirkt und wirkt weiter. Mich beschäftigt die Vorbereitung der Mastektomie, aber dazu gibt’s bald einen eigenen Artikel.

Fazit

Läuft! Mehr gibt’s nicht zu sagen 🙂

4 Kommentare zu „Testo: Monat 9“

    1. Hi Tus,
      danke für den Hinweis! Tatsächlich hat der Link zum Artikel aus der e-Mail nicht funktioniert (lange Geschichte, konnte es nicht mehr korrigieren ohne den ganzen Verteiler mit e-Mails vollzuspammen). Sollte aber nicht wieder vorkommen.
      Grüße!

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