Mastektomie: 2 Wochen Post-OP

Es geht mir gut, die Operation ist gut verlaufen, die Heilung schreitet gut voran. Alles gut! Ich habe noch nicht so richtig gecheckt, was eigentlich passiert ist.

Die letzten zwei Wochen waren so turbulent, dass ich noch nicht weiß, an welcher Stelle ich anfangen soll, zu schreiben. Normalerweise macht mir dieses schriftliche Gedankensortieren ja Spaß – aber was ist schon normal, wenn einem gerade etwas über zwei Kilo Gewebe und Haut amputiert wurden?

Also, der große OP-Bericht muss bis auf Weiteres verschoben werden, bis ich den nötigen Gehirnschmalz dafür habe. Zumindest kann ich schonmal grob vom Status quo berichten, dass ich keine größeren Schmerzen hatte oder habe. Es heilt bisher alles ohne große Zwischenfälle: Die Narben sind infektionsfrei, die Vorhöfe und Brustwarzen sehen jeden Tag ein bisschen anders aus und die Schwellungen sind im Rahmen. Was die Beweglichkeit betrifft, so erlange ich jeden Tag ein paar Zentimeter Rangierfähigkeit zurück. Der allgemeine Gesundheitszustand ist immerhin auf einem Level, auf dem ich jeden Tag Eis essen gehen kann!

Mein Gemütszustand ist irgendwo zwischen „alles wie immer“ und „nichts wie immer“ zu verorten. Ich bin mehrmals am Tag bass erstaunt, wie selbstverständlich sich die Erde weiterdreht, wie selbstverständlich der Alltag aller um mich herum weiterläuft, wie selbstverständlich ich mich über manche Dinge freuen oder ärgern kann. Meine Laune schwankt auf alle Fälle heftig. Und zwar so sehr, dass ich zum ersten Mal denke (feststellen muss), an diesem Mythos, dass Testo aggressiv macht, sei (ist) etwas dran.

Aus der Egoperspektive sieht mein Oberkörper übrigens ziemlich – Achtung, jetzt kommt es wieder, das berüchtigte Wort – normal aus. Ist das nicht verrückt? Ich war bereits am Tag der OP nach dem Aufwachen verblüfft, dass es einfach so normal aussieht! Meine T-Shirts und Hemden fallen an mir plötzlich so, wie ich das immer haben wollte. Nun bin ich zur Erholung bei meinen Eltern und fühle mich wie 10 Jahre alt: Ich wohne in meinem Kinderzimmer und habe keine Brüste. Wie absurd.

Also, meine Welt ist gerade mal wieder aus den Angeln gehoben. Bleibt nicht viel mehr, als mich bei allen zu bedanken, die mich unterstützen, versorgen, (er)tragen, bedenken.

 

5 Kommentare zu „Mastektomie: 2 Wochen Post-OP“

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